Abitur nach acht Jahren
aus der WZ vom 17.03.2004

Von Chrismie Fehrmann und Dirk Senger

Schneller in den Beruf oder ins Studium, dafür jeden Tag ein paar Stunden mehr Unterricht. Am WZ-Bus waren nicht alle Schüler dafür.

Ab 2013 sollen die ersten Schüler an den Gymnasien und Gesamtschulen in NRW ihr Abitur schon nach acht Jahren ablegen. Die Umstellung beginnt mit dem Schuljahr 2005/2006. Der Unterricht für diese Schüler wird komprimiert. Die Wochenstundenzahl steigt an. Schüler und Lehrer des Gymnasiums am Moltkeplatz erklärten am WZ-Bus, was sie von dem Beschluss halten. "Das Abitur nach zwölf Jahren ist lange überfällig", findet Rolf Neumann, stellvertretender Schuldirektor, und bezieht Direktor Wolfgang Haberstroh mit in seine Ausführungen ein. "Englische Studenten sind im Vergleich zu unseren ein Jahr jünger.
Kommen noch Bund oder Zivildienst hinzu, fangen die Jungen in Deutschland als 20oder 21-Jährige mit dem Studium an. Sie sind dann ziemlich alt." Er sieht die Möglichkeit, bei gleich bleibendem Lehrplan, Stunden auf den Nachmittag oder Samstag zu schieben, vor allem bei den Klassen neun und zehn denkt er an Nachmittagsunterricht. "Manche Beschlüsse werden vorschnell gefasst, ohne zu wissen, wie die Durchführung aussehen soll", überlegt er mit einem Blick Richtung Landesregierung.
Kollege Martin Sander findet das Abi nach acht Jahren Gymnasium, das "G8" eigentlich gut. "Wenn das nur keine Einsparungsmaßnahme in Sachen Lehrer-Personal ist", argwöhnt er. "Die Schüler können nicht wesentlich mehr arbeiten. Wir haben jetzt schon die siebte, achte Stunde", meinte Lehrer Franz Aengenheister. "Alles auf zwei Jahre zusammenzupressen bringt Hektik." Wenn gestrafft werde, dann auch in der Mittelstufe. "Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen sind die Hauptsache", findet der Pädagoge. Ihre Stundenzahl dürfe nicht gekürzt werden.
"Man ist schneller im Berufsleben und kann schneller studieren. Im internationalen Vergleich hat man bessere Chance", sagte Alex Wiese. Aber: "Es kommt eh zu spät für uns. Das betrifft uns nicht mehr", meinte der 16-Jährige. Thomas Schiffer aus der 13. urteilt eindeutig: "Es ist sehr sinnvoll, wenn man in einen internationalen Beruf will. Wir hinken ein Jahr hinterher." "Ein Vorteil wäre, dass man jünger ins Berufsleben einsteigen könnte", meint Astrid Blau. Die 18-Jährige sieht als Nachteil, dass man viel mehr Lernstoff in weniger Zeit bewältigen müsste. "Man kann auch früher arbeitslos werden", bemerkte Isabelle Schmidt "Die Erfahrung, ins Ausland zu gehen, kann man nicht mehr machen ", befürchten Olivia Wolff und Michael Kogosow. "Man muss eine einheitliche Regelung haben", fordert Laura Müller. Wenn andere zwölf statt 13 Schuljahre hätten, sei das ungerecht. Anke Schmidt würde die 13 Jahre beibehalten und ein Jahr früher einschulen. "Dann sind wir im internationalen Vergleich auch gleichzeitig fertig." "Wenn man länger in der Schule bleibt, hat man weniger Zeit für Sport", sagt Jan Peter Hirt. Dafür bliebe nur der Abend. "Vielleicht hätten wir sogar Samstag wieder Schule", fragt sich Jessica Warren. "Es ist nicht so gut, das Jahr wird fehlen", findet Raul Rodriguez. "Es sind nicht alle reif genug."