aus der WZ vom 18.9.2003 Helmut
Hentrich hat einmal gesagt, Markantes
Beispiel ist das 1912 bis 1915 nach einem Wettbewerb errichtete Gymnasium am Moltkeplatz (ehemals Realgymnasium) mit dessen Bau das Ansehen Biebrichers in Fachkreisen wuchs. ln Betrieb genommen wurde die Schule, die zu den qualitativ anspruchvollsten öffentlichen Bauten in Krefeld zählt, |
gehört zu den anspruchsvollen Bauten von August Biebrich Heute
sind viele Teile des Baus verändert: der Spiegelweiher mit der Gartenanlage vor dem Hauptportal etwa oder die kleinsprossigen Fenster, die durch neue ersetzt wurden, Helmut
Hentrich erinnerte sich gut an seine alte Penne: Sein Vater vertrat als Beigeordneter den Bauherrn, die Stadt. Von da an verfolgte der damals 14-Jährige das Wachsen der Biebricher Bauten in Krefeld mit großem Interesse. Kurz darauf, 1922, lernte Die
in sich geschlossenen, gediegenen Bauten, die den traditionsgebundenen, soliden Ansprüchen der Bauherren gerecht wurden, waren Vorbilder für viele Biebricher-Schüler und prägen einen Teil des Krefelder Stadtbildes. |
von Yvonne Tenhonsel
Biebrichers Stil. Da er Fabrik- oder Verwaltungsgebäude kaum, Massenwohnungsbau nur in Ausnahmefällen entwarf, kommt dies insbesondere in seinen Wohnhäusern -wie etwa in dem ehemaligen Haus Oetker -zum Ausdruck. Das heutige Mutterhaus der DRK-Schwesternschaft an der Hohenzollernstraße 91 wurde 1927/28 als repräsentatives Anwesen inmitten eines großen Parks für den Textilfabrikanten Rudolf Oetker gebaut und ist beispielhaft für die verschiedenen Tendenzen in den 20er Jahren. Hier lehnte sich Biebricher an die Landhäuser des 18. Jahrhunderts an und zitierte in seiner zurückhaltenden Sprache barocke Formen. Der Bau wird durch den Eingang mit einem schmiedeeisernen Balkon über der mit barocken Schnitzereien verzierten Tür betont. Die
gediegene Inneneinrichtung, die der Bauherr mit barocken Kunstwerken wie einem aus dem alten Berliner Stadtschloss stammenden Parkettfußboden von 1780 und einem französischen Kachelofen aus der gleichen Zeit ausstattete, verdeutlichen den Rückzug ins Privat-Biedermeierliche. |
zur Person : August Biebricher Ein Zufall führte den im Juni 1878 in Bleialt, Kreis Trier, geborenen und Juni 1932 gestorbenen August Biebricher nach Krefeld: Nachdem er sein Studium an der Erweiterten Handwerkerschule in Gießen und der Technischen Universität Darmstadt abgeschlossen hatte, übernahm er 1904 für den Kirchenbaumeister Ludwig Hoffmann die Bauleitung der neuen Pauluskirche. Während seiner Studienzeit bereits hatte er in Hoffmanns Büro gearbeitet. Nach seiner Mitarbeit im Düsseldorfer Büro von Peter Behrens wurde Biebricher 1905 an die hiesige Kunstgewerbeschule, die er später auch leitete, berufen -der Einstieg in das Krefelder Baugeschehen: In der folgenden Zeit baute er etwa die Tribünen für den Besuch des Kaisers (1906), stellte 1907 sein erstes Wohnhaus an der Wilhelmshofalle 84 fertig und gewann den Wettbewerb um den Entwurf des Realgymnasiums am Moltkeplatz. Seine wichtigsten Wohnhäuser im klassischen Baustil -etwa das Haus Gustav de Greiff, Hohenzollernstraße 21, oder das Landhaus Fritz Junkers, Talring 130, -entstanden zeitgleich. Zu den bekannten öffentlichen Bauten gehören die Tribünen auf der Galopprennbahn und die Volksschule 49 am Danziger Platz -sein letztes Werk. |