Studium im Ausland: Scharfe Chilis und heißes Blut aus der WZ vom 16.2.2007, Von Daniel Boss
Die Krefelder Studentin Laura Müller verbrachte ein halbes Jahr in Mexiko und besuchte dort eine Elite-Uni.
Herzhaft beißt Laura Müller in die vermeintliche Paprika und bereut es keine zwei Sekunden später: Mund und Zunge fangen höllisch an zu brennen, Tränen schießen ihr in die Augen, der 23-Jährigen bleibt die Luft weg. Erst da fiel mir der Ratschlag wieder ein, den ich vor meiner Reise nach Mexiko bekommen hatte, erzählt die Studentin aus Bockum. Er lautete: Das Essen immer erst vorsichtig probieren die unliebsame Begegnung mit der Chili-Schote wäre ihr so erspart geblieben.
Im Juli des vergangenen Jahres ging Laura Müller, die an der RWTH Aachen das Fach Kommunikationswissenschaften belegt hat, für ein Semester in das lateinamerikanische Land zwischen den USA im Norden und Guatemala im Süden, genauer: in die Stadt Guadalajara. Um sich ihren Traum zu erfüllen, hatte sie bei der Fußball-WM als Hostess im Dortmunder Stadion gearbeitet.
Ihr erster Eindruck von Guadalajara, mit insgesamt grob geschätzten sechs Millionen Einwohnern die größte Metropole des Landes nach Mexiko-Stadt: Laut und sehr lebendig. Überall dudelt Musik, der Verkehr erscheint zuweilen lebensgefährlich. Mit vier weiteren Studentinnen teilt sich Laura Müller eine Wohnung und so manche neue Erfahrung: Wunderlichkeiten gab es in Mexiko einige zu entdecken, etwa dass ein Essen ohne Limetten und Chili kein richtiges Essen ist oder das Pünktlichkeit eher als unhöflich gilt. Auch die Auswirkungen des berühmten heißen Latino-Bluts bekommt die blonde junge Frau zu spüren. Mir wurde oft und schnell die Frage gestellt, ob ich verheiratet sei oder einen Freund habe, sagt sie.
Doch wirklich negative Erlebnisse habe sie persönlich nicht gehabt. Nur die extremen Unterschiede zwischen Arm und Reich waren manchmal schockierend. Die von ihr besuchte Hochschule, die Tecnología de Monterrey, gelte in Mexiko als Elite-Uni, an der die Kinder der Oberschicht studierten. Auf den Parkplätzen standen die neuesten, schönsten und größten Autos, beschreibt die ehemalige Moltke-Schülerin ein eigenes kleines Universum in einem Land, in dem rund 26 Prozent der Bevölkerung mit weniger als zwei US-Dollar pro Tag auskommen müssen.
Laura Müller ist erst seit wenigen Tagen zurück in der niederrheinischen Heimat und kann es schon jetzt kaum erwarten, wieder mal nach Mexiko zu fliegen. Neben dem traumhaften Wetter vermisse sie vor allem die Freundlichkeit der Menschen: Als ich am Frankfurter Flughafen ankam, hat der Zollbeamte noch nicht einmal Guten Morgen gesagt.
STUDIUM im AUSLAND
Gebühren: Um die 1000 US-Dollar musste Laura Müller insgesamt für die Kurse während ihres Studienaufenthalts in Mexiko bezahlen. In Aachen bezahlt sie ab dem Sommersemester erstmalig rund 500 Euro Gebühren.
Urlaub: Die Studentin hat sich für die Zeit ein Urlaubssemester genommen, die Kurse werden ihr in Deutschland aber angerechnet. |